Juni
26
2010

Marketing


MobileMonday-Panel kommt zum Schluss: Das Geld liegt auf der Straße!

Autor Maximilian Mondel

Das Thema des jüngste MobileMonday lautete: (Mobile) Media Revolution: Tablet Device kills old media?

Die große Mehrheit der über 160 Teilnehmer am jüngsten MobileMonday würde für journalistische Inhalte auf digitalen Endgeräten bezahlen, wie eine spontane Umfrage beim siebenten MobileMonday Austria ergab. Warum Medienhäuser es trotzdem nicht verstehen, das Geld, das auf der Straße liegt abzuholen, wurde unter anderem beim Thema "Mobile Media Revolution" in einer renommierten Expertenrunde diskutiert.

 

Zahlungsbereite User

 

Drei bis vier Prozent der Leser, die News-Inhalte konsumieren, haben in der Vergangenheit dafür schon einmal bezahlt. In Zukunft können sich sogar elf bis dreizehn Prozent vorstellen zu bezahlen. Diese Facts präsentierte Andreas Hladky (Geschäftsführer point of origin) aus einer Studie von Forrester Research und beweist damit, dass das Problem nicht am vermeintlichen Zahlungsunwillen der User liegt: "Verlage und Medienhäuser verfallen dem Irrglauben, dass Tablets wie zum Beispiel das iPad möglich machen, was im Web misslungen ist: Der User soll plötzlich für Information bezahlen, die online bisher immer gratis war. Das wird natürlich nicht funktionieren. Daher ist die Hauptaufgabe der Medien innovative Informationsangebote und -formate zu entwickeln."

Auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen, vergleicht der deutsche neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen die Printmedien mit der Musikindustrie: "Nur weil ich eine Zeitung kaufe, heißt das nicht, dass ich mich für die gesamte Zeitung interessiere. Ganz im Gegenteil: Ich will oft nur einen oder zwei Beiträge lesen. Daher wird man bald einzelne Artikel kaufen, so wie man heute auch einzelne Songs erwerben kann. Dies bietet Chancen für intelligente Rebundling Angebote." Ankershoffen deutet dabei an, dass Google bereits an ähnlichen Konzepten arbeitet.

Der Vergleich mit der Musikindustrie hinkt allerdings für Peter Krotky. Der Geschäftsführer und Chefredakteur von DiePresse.com nennt dafür folgenden Grund: "Ein Musikprodukt verwendet man 30 Jahre lang, ein journalistischer Artikel ist in der Regel am nächsten Tag schon nicht mehr interessant." Auch das gute alte Abo wird an diesem Abend als mögliches Modell diskutiert, denn Werbung wird als Einnahmequelle nur dann eine Rolle spielen, wenn Reichweiten geboten werden. Krotky verrät aus Gesprächen mit Mobilfunkexperten: "In Österreich rechnet man angeblich mit einem Verkauf von 50.000 Tablets pro Jahr."

 

Hyper-egoistische User

 

"Der User ist am Business Case der Medienlandschaft nicht interessiert", tönt es während der Podiumsdiskussion von der Twitterwall. "Was den User tatsächlich interessiert, sind lean solutions", erklärt Agentur-Chef Andreas Hladky, also schlanke und einfache Lösungen, die genau dann die passende Information liefern, wenn der Benutzer sie will. Und nicht dann, wenn jemand anderer - zum Beispiel ein Journalist - bestimmt, dass er die Information lesen soll. "Es ist keine technische Revolution, der wir hier gegenüberstehen, sondern eine menschliche.", meint Dr. Martin Zimper von CAST-Zürcher Hochschule d. Künste: "Wir beginnen eine Mensch-Maschine Beziehung zu leben". Hladky nennt diese Revolution eine Entwicklung hin zum "hyper-egoistischen User" und veranschaulicht, dass mobile Apps dem "Lean Prinzip" schon längst folgen.

Ist also die Zeit, in der ein Journalist dem Leser selektierte Infos auf dem Silbertablett servierte, vorbei? "Ja!", bestätigt neofonie-CEO Helmut Hoffer von Ankershoffen, der das iPad Konkurrenzprodukt "WeTab" auf den Markt bringt: "Diese Aufgabe kann von Journalisten nicht mehr erfüllt werden. Der einzige, der wirklich versteht was für mich relevant ist, bin ich selbst. Die Zeiten sind vorbei, in denen allein der Chefredakteur bestimmt was für mich relevant ist. Qualitätsjournalismus sollte sich der Zusammenarbeit mit Social Media und personalisierten Suchmaschinen öffnen." Xpress und news.at Chefredakteurin Mesi Tötschinger sieht das etwas anders: "Die Steinzeit ist ja auch nicht zu Ende gegangen, weil es keine Steine mehr gab. Es wird weiterhin guten Journalismus geben, aber wir müssen herausfinden, welchen Inhalt wir auf welchen Kanälen verbreiten."