Online-Marketing Rebooted: Hummingbird Google.

Harald Grabner, Geschäftsführer von 123consulting, gibt den Lesern von Werbeplanung.at spannende Einblicke in aktuelle Trends der Google-Optimierung

SEO-Experte Harald Grabner informiert über aktuelle Entwicklungen im Bereich SEO. Thema diesmal: "Hummingbird Google".   © Werbeplanung.at

Googles digitaler Zoo hat einen weiteren Bewohner bekommen. Neuer Nachbar von “Pinguin” und “Panda” ist der Kolibri. Zur Erinnerung: Google überarbeitet seinen Suchalgorithmus laufend. Die größten Updates erhalten Tiernamen. Während der Pinguin den Wert auf saubere und gute Links legte, wurde mit Panda nützlicher, einzigartiger und ganz allgemein “guter” Content viel relevanter für ein gutes Suchmaschinenranking. Panda und Pinguin sorgten für heftige Reaktionen und viel Bewegung in der SEO-Branche; kein Wunder, denn durch sie verloren viele gut gereihte Seiten so viele Plätze auf den organischen Suchergebnisseiten von Google, dass sie de facto aus der Suchmaschine verschwanden. Für eine kommerzielle Website ein Vorgang, der potenziell existenzgefährdend ist.

Hummingbird: die sanfte Revolution

Ganz im Gegensatz dazu ist das erst vor wenigen Tagen ausgerollte “Hummingbird”-Update von der Szene mit großer Entspannung aufgenommen worden. Der Grund: Kolibri bringt kaum sichtbare Veränderungen in die aktuellen Suchergebnis-Rankings. Zumindest auf den ersten Blick. Schaut man genauer hin bemerkt man allerdings, dass die Folgen von Hummingbird für die SEO-Szene viel, viel stärker wiegen werden als Panda und Pinguin zusammen.

Mit Hummingbird macht Google den entscheidenden Schritt beim Versuch zu verstehen, was der User wirklich sucht. Aus technischer Sicht ist Hummingbird die größte Änderung am Algorithmus, die Google seit rund 12 Jahren vorgenommen hat. Hummingbird wird etwa 90 Prozent aller Suchen treffen.

Hummingbird ist ein klassisches Semantik-Update. Google hat begonnen, Sinnzusammenhänge auf Websites zu “verstehen” – und nicht mehr, wie bisher, nur mehr einzelne Wörter oder deren Kombinationen. Hinter Hummingbird verbirgt sich enorme Rechenpower und komplexe Statistik. Riesige Datenmengen über die Bedeutung von Wörtern und faktischem Wissen fließen ab sofort in die Interpretation der Suchergebnisse ein.

Hummingbird ist ein Paradigmenwechsel

Damit ist Hummingbird aber der Anfang vom Ende des Keywords. Das Optimieren von Landingpages auf einzelne Keywords oder Keywordkombinationen, bisher von zentraler Bedeutung in der Suchmaschinenoptimierung, ist ein Auslaufmodell. Google wird immer häufiger “verstehen”, was bei einer Suche im Internet eigentlich gemeint ist, selbst wenn spezifische Schlüsselwörter fehlen – und die individuell perfekte Lösung dafür anbieten.

Das Ziel von Hummingbird ist es, jedem User genau die Ergebnisse zu bieten, die für ihn relevant sind. Google möchte der “verstehende Agent” sein, der quasi vorausahnt, welches Ergebnis das relevanteste für einen User ist. Das Suchergebnis muss dabei nicht mehr die einzelne, auf Keywords optimierte, Landingpage sein. Es kann dann die Navigation zum nächstgelegenen Geschäft, ein Telefonnummer, ein Termin-Eintrag im Kalender eines Users oder eine Google+-Seite sein. Das heißt, dass sich Suchmaschinenoptimierer und Seitenbetreiber von der Prämisse befreien müssen, so viele Seiten wie möglich so weit oben wie möglich im Suchergebnis zu platzieren. Der neue Weg der SEO-Optimierung wird eine “Conversion-Orientierte” Optimierung sein. Das neue Gold der Suchmaschinenoptimierung ist die Relevanz.

Hummingbird – und was nun?

Hummingbird wird seine Wirkung erst im Laufe der Zeit entfalten. Es ist allerdings höchst empfehlenswert, bereits jetzt einige operative Maßnahmen zu setzen. Eine davon ist, auf Google Advertising zu setzen. SEA als begleitende Maßnahme empfahl sich ja auch schon bisher im Sinne einer integrierten Suchmaschinenoptimierung. Außerdem muss man sich bewußt sein, dass Suchmaschinenoptimierung, wie wir sie bisher kannten, ein vorhersehbares Ablaufdatum hat; Firmen sollten also alles dafür tun, von den Usern als relevant und als Marke wahrgenommen zu werden. Das Ziel ist klar: Websites müssen den Direkttraffic steigern. Als dritte Maßnahme sollte man sich ab sofort noch viel mehr als bisher über Content Gedanken machen, der relevant für seine Zielgruppe ist. Denn nur wer auf guten Content Wert legt, wird auch verstehen, wonach “seine” User suchen und wie man dieses Thema in vollem Umfang behandeln könnte.

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