Prospekte-Boom: Was hinter den neuen Angebots-Portalen steckt.

Flugblätter digitalisieren, die der Konsument online und mobil durchforsten kann vor seinem Einkauf: Angebotsportale erleben derzeit eine heiße Phase. Aber was ist das Geschäftsmodell dahinter? Werbeplanung.at unterzog MeinKauf.at, Aktionsfinder.at und Marktguru.at einem Fragen-Check.

Gerhard Froner (Aktionsfinder.at), Markus Pichler (Meinkauf.at) und Thomas Kern (Marktguru.at) konkurrieren am digitalen Prospekte-Markt.   © Werbeplanung.at

Was 2011 die Gutscheinportale und Groupon-Klone waren, sind 2012 die Angebots- und Prospektplattformen. Mittlerweile gibt es am österreichischen Markt mehrere Anbieter, die Prospekte digitalisieren und dem User auf mehreren Kanälen zugänglich machen. Werbeplanung.at wollte von drei Vertretern dieses Geschäfts wissen, was das Modell dahinter und der USP ist. Während MeinKauf.at, das von DailyDeal-Gründer Markus Pichler ins Leben gerufen wurde, potenzielle B2B-Kunden mit Reichweiten lockt, hat sich Marktguru.at-Geschäftsführer Thomas Kern nicht auf Prospekte, sondern auf die Produktebene spezialisiert. Und der Mitbewerber Aktionsfinder.at veröffentlicht die Flugblätter vor den Konkurrenten, wie Geschäftsführer Gerhard Froner betont.

Wie die drei Unternehmen ihr Geld verdienen, Kunden gewinnen und User anlocken, haben die Chefs in unseren Detailfragen beantwortet.

Es gibt mittlerweile schon mehrere Angebotsportale. Was unterscheidet Ihr Angebot von den anderen?

Froner (Aktionsfinder.at): Bedingt durch unsere Kooperationen mit wichtigen Handelsunternehmen können wir die Flugblätter schon vor unserem Mitbewerb veröffentlichen. Aus dem selben Grund werden bei uns auch Prospekte veröffentlicht, die nicht "frei" im Internet verfügbar sind. Durch unsere intuitive Menüführung findet der Userschneller das, was er sucht. Durch die Standorterkennung des Benutzers werden nur für den User relevante Aktionen angezeigt. Zudem ist unsere App die meistgeladene im Mitbewerberumfeld.

Markus Pichler (MeinKauf.at): Unsere Stärke liegt zum einen in der Fülle unseres Angebots. Seit unserem Start im Januar 2012 sind inzwischen knapp 100 Händler bzw. Handelsketten und 10.000 Filialen bei meinKauf.at gelistet.  Zum anderen bieten wir außerdem ein volloptimierte Search Engine und vollintegriertes Geotargeting – dadurch können wir die Angebote treffsicher nach Regionen und Filialen ausliefern. 

Thomas Kern (Marktguru.at): Angebotsportale wie Marktguru gibt es keine weiteren. Es gibt mittlerweile viele Prospektportale, aber keine die auch wirklich die Angebotsdetails einzeln erfassen. Der exhorbitante Mehraufwand lohnt sich: die User nutzen sehr stark die Einzelproduktsuche und müssen nicht zwingend das Prospekt öffnen. Das Prospekt an sich hat aber einen Charme den unsere User auch zu schätzen wissen. Deshalb geben wir dem User natürlich auch die Möglichkeit in den Prospekten zu schmökern.

Was ist Ihr Geschäftsmodell, wie monetarisieren Sie das Portal? 

Froner (Aktionsfinder.at):  Unser Portal monetarisiert sich im Wesentlichen über drei Säulen, wobei die erstgenannte 80 Prozent des Umsatz ausmacht und im Vertrieb unser aktueller Schwerpunkt ist. Einerseits die Prospektveröffentlichtung: Aktuell haben wir mit 12 Partnern längerfristige Kooperationen. Die weiteren Säulen sind klassische Display-Werbung sowie ein Provisionsmodell und/oder Shopgebühr für Online-Shops.

Pichler (MeinKauf.at): Wir arbeiten mit dem Handel zusammen und bieten einen Werbekanal, der alle Vorteile der Prospektwerbung mit jenen des Online Marketing kombiniert. Das bedeutet keinen Streuverlust, zielgenaues Targeting der Kunden, weg vom Push hin zum Pull.

Kern (Marktguru.at): Wir sind in der glücklichen Position, dass wir in aller Regelmässigkeit Anfragen von Händlern und Mediaagenturen aus ganz Österreich bekommen um ihre Prospekte bei uns zu listen. Je nachdem wie es unseren Partnern lieber ist verrechnen wir entweder nach Fixpreis oder variabel über die Prospektöffnungen bzw. Einzelproduktansichten. Wir sind gerade erst seit sechs Monaten online und waren bis jetzt sehr auf das Produkt fokusiert. Die Kunden-Akquise ist natürlich ebenfalls enorm wichtig für uns. Wir sind daher zur Zeit auf der Suche nach einem starken Vetriebspartner, der uns hier unterstützt. 

Was bieten Sie B2B-Kunden? Wer kann seine Angebote/Prospekte reinstellen, was bekommen sie dafür und müssen sie dafür zahlen?

Froner (Aktionsfinder.at):  B2B Kunden werden in der Darstellung auf unseren Plattformen bevorzugt behandelt. sind zum Beispiel länger auf der Startseite oder im sichtbaren Bereich. Es wir gemeinsam mit dem Kunden vereinbart, was, wann und wie veröffentlicht wird. Unser Service wird leistungsorientiert verrechnet - das heißt, wir wenden ein CPC-­Modell (eindeutiger Prospektleser) an. 

Pichler (MeinKauf.at): Jeder B2B Kunde bekommt ein maßgeschneidertes Angebot. Wir bieten derzeit allen österreichischen Einzelhändlern die Möglichkeit, die Konsumenten über das Internet auf die Region bezogen zu erreichen und so ihre klassischen Werbeprospekte gezielt online zu verteilen. Der Konsument ruft diese Angebote in Eigeninitiative ab, sowohl im Web als auch mobil durch die App „mEinkauf“. Gleichzeitig bietet meinKauf.at den Händlern ein qualifiziertes Tracking der Werbewirkung. 

Kern (Marktguru.at): Jeder Händler in Österreich der Prospektwerbung auf dem Postweg oder in Printmedien verteilt kann seine Angebote auch auf marktguru.at bewerben. Alle Angebote werden erfasst und sind dann mit Hilfe der Einzelproduktsuche auffindbar. Das Prospekt wird ebenfalls veröffentlicht und kann von unseren Usern auch mittels der Newsticker-Funktion abonniert werden. Die Angebote sind dann auch auf unseren Smartphone-Apps sowie in unseren Partnernetzwerken (z.B: Wiener Bezirksblatt) zu finden.

Wie ist ihr bisheriges Feedback sowohl von Usern als auch von B2B-Kunden?

Froner (Aktionsfinder.at): Sehr positiv. Unsere Benutzer kommunizieren viele Erweiterungswünsche, wie weitere Märkte. Auch unsere Kunden sind mit unserem Service sehr zufrieden. Bis dato werden und wurden Leistungspakete ausgebaut und kein einziger Kunde hat unsere Plattform wieder verlassen. 

Pichler (Meinkauf.at): Die schönste Würdigung unserer Arbeit liegt für uns darin, dass Menschen unsere Plattform regelmäßig nutzen und sie meinKauf.at in ihren Alltag integriert haben. Dies wird durch unseren Platz 320 im Alexa Traffic Rank und die Downloads unserer App bestätigt. Unsere B2B Kunden schätzen vor allem die Tatsache, dass sie ihre Zielgruppe direkt und ohne Streuverluste erreichen, was bei den bisher üblichen Printprospekte nicht der Fall ist. Wir haben für unsere Kunden ihren Werbeerfolg direkt messbar gemacht.

Kern (Marktguru.at): Beim Handel war es anfangs ein wenig schwierig. Vor allem die Lebensmittelketten wollten sich nicht dem "Preisvergleich" stellen.  Schon bei den ersten Gesprächen konnten wir unseren bisherigen Partnern diese Angst aber schnell nehmen.  Marktguru listet keine Online-Händler somit wird der Preis nicht "verrissen". Die Händler haben ein gewisses Service und Qualität und das soll auch honoriert und nicht durch reine Webshops, die eventuell billiger anbieten können, verzerrt werden. 

Welche Pläne haben Sie für das Portal in Zukunft (Neue Produkte, Features…)?

Froner (Aktionsfinder.at):  Kurz- und mittelfristig ist die Erweiterung des Angebots um weitere Branchen und Märkte geplant. Wir wollen alle Prospekte auf einer Plattform. Außerdem wollen wir das klassische Prospekt als interaktives Prospekt zu einem multimedialen Medium entwickeln. 

Pichler (MeinKauf.at): In erster Linie soll natürlich unser Angebot an Händlern weiter so stetig wachsen wie bisher, um dem Konsumenten eine größtmögliche Auswahl an Prospekten und Angeboten zur Verfügung stellen zu können. Unter anderem entwickeln wir im Moment eine neue, innovative App für die mobile Schnäppchensuche mit optimaler Convenience für den User sowie neue Funktionen für den Benutzer. Auch ein CSR-Projekt befindet sich derzeit in Ausarbeitung.

Kern (Marktguru.at): Auf dem Mobile-Bereich müssen wir stärker werden. Die Android App ist bereits gelaunched, die iPhone App im Review-Prozess und eine Facebook-App in der Pipeline. Wir sind auch gerade in einer Beta-phase bei Anbindungen an 3rd Parties. Zum Beispiel kann auf www.wienerbezirksblatt.at bereits nach Angeboten gesucht werden. Vorstellbar wäre dass wir unseren Service komplett öffnen und jeder der mit uns kooperieren will und sein Angebot auf der Seite um sinnvollen aktuellen Content erweitern will mit uns zusammenarbeiten kann.  

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