Digital-Kioske kannibalisieren Verlagsangebote.

Digitale Kioske wie Blendle nutzen nur sich selbst und ziehen Printmedien-Verlegern Bezahlkunden, die diese dringend brauchen, ab.

Die Universität Hamburg schlußfolgert aus einer für Deutschland repräsentativen Befragung von Online-News-Nutzern, dass digitale Medien-Kioske wie Blendle, read it oder pocketstory Bezahlangebot von Verlagen kannibalisieren.    © read it

Wenn einem um 10 Euro pro Monat in einem digitalen Kiosk wie Blendle, read it  oder pocketstory ein riesiges Portfolio an Printmedien-Titel werbefrei und auch offline zum Lesen bereit steht, wieso soll dann zum gleichen Preis ein einzelner Verlagsgtitel digital abonniert werden?

Digitale Kioske können für Abonnentenschwund bei kostenpflichtigen, digitalen Verlagsangeboten sorgen. Sie leisten einer Kannibalisierung Vorschub, die von Verlagen entweder bewusst in Kauf, nicht deutlich genug wahrgenommen oder einfach aus Selbstschutz ignoriert wird. 

Die Universität Hamburg hat sich im Zuge des Forschungsprojektes Competing with Free: Flatrates in the Publishing Industry mit den Effekten von digitalen Kiosken auf die Nachfrage nach Bezahl-Inhalten von klassischen Medien beschäftigt. Dazu wurden deutschlandweit 1.923 Online-News-Nutzerinnen und -Nutzer dazu befragt, wie sich verschiedene Medien-Bezahlmodelle auf ihr Kaufverhalten journalistischer Inhalte auswirke. 

"Die Befragung legt nahe, dass Verlage die eigenen Bezahlkunden an neue verlagsübergreifende Anbieter, die journalistische Inhalte verschiedener Zeitungen und Magazine bündeln und sie einzeln zum Verkauf anbieten, verlieren", resümiert Professor Michael Clement vom Institut für Marketing und Medien der Universität Hamburg das Projekt-Ergebnis.

Clement zufolge, stehen die Befragten Online-Kiosken positiv gegenüber. Für ihn kristallisierte sich heraus, dass "viele der bereits bezahlenden Leserinnen und Leser ihre kostenpflichtige Bezugsquelle für journalistische Inhalte wechseln würden". Diese Kioske würden Bezahl-Angebot von Verlagen kannibalisieren, da diese damit keine neuen Bezahler für sich gewinnen würden, lässt sich aus dem Forschungsprojekt ableiten.

Clement weiter: "Die Studie zeigt, dass es nicht gelingt, Leser, die umsonst die werbefinanzierten Online-Angebote von Zeitungen und Zeitschriften nutzen, in Kunden journalistischer Bezahlmodelle umzuwandeln". Das gelingt auch mit digitalen Kiosken nicht. Denn, gleichgültig welche Preisstrategie verfolgt wird, die Kiosk-Anbieter machen 99 Prozent ihrer Umsätze mit Mediennutzer, die ohnehin schon für Online-Medien zahlen und hohe Zahlungsbereitschaft für Inhalte haben. "Nutzer sind es gewohnt, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel im Netz gratis zu lesen", legt der Hamburger Professor den Finger in die Verleger-Wunde. Clement macht auch keine Hoffnung: "Es gibt schlicht zu viele kostenlose Inhalte, um Nicht-Zahler in Zahler zu verwandeln". 

Betreibern von digitalen Kiosken empfiehlt er "höchsten zehn Euro pro Monat" zu verlangen. Mit einer Flatrate in dieser Höhe ließen sich etwa sieben Prozent dieses Marktes binden. Ergänzt um Feature wie Werbefreiheit, Personalisier- und Offline-Nutzbarkeit würde die Zahlungsbereitschaft um bis zwei Euro steigen und die Nachfrage auf etwa neun Prozent des Marktes steigen. 

 

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