European Newspaper Congress: „Warnung vor Stereotypen“.

Wie der Lügenpresse-Vorwurf überwunden werden kann und die Werbewirtschaft ohne Leitmedien funktioniert, war Thema am letzten Tag des European Newspaper Congress 2016

Auch am Galaabend, der am 2. Mai 2016 stattfand, nahmen zahlreiche Gäste teil, die auch die Verleihung der European Newspaper Awards mitverfolgten.   © Medienfachverlag Oberauer/APA-Fotoservice/Schedl

„Die Differenz zwischen dem, was die Menschen bewegt und was sie in den Zeitungen finden, ist viel zu groß“, bewies Roland Schatz, dessen Forschungsinstitut Media Tenor Zeitungsinhalte daraufhin überprüft. Und was Menschen nicht in der Zeitung finden, bewegt sie auch nicht: Wenn die EU-Berichterstattung in Europa nur 1,4 Prozent der Inhalte betrifft, sei klar, dass Europa für die Menschen keine Relevanz habe. Zeitungen berichten, aber nicht mit dem Blick auf die Zukunft, lautete der Vorwurf von Schatz, am dritten Tag des European Newspaper Congress 2016 im Wiener Rathaus, vor den mehr als 400 Medienleuten. Schatz warnte eindringlich vor Stereotypen: „Das hat nichts mit Journalismus zu tun.“ Journalistische Geschichten auf Stereotype und Zukunftsrelevanz zu überprüfen sei „eine Frage des Handwerks und der Redaktionskonferenz“.

Negative Nachrichten schaden der Nachrichtenindustrie

Das Übermaß an negativen Nachrichten schade der Nachrichtenindustrie und zerstöre die Gesellschaft, sagte Jodie Jackson. „Bürgerinnen und Bürger werden apathisch und nehmen immer weniger teil am politischen Geschehen“, stellte die Britin Jackson fest, die als eine Vordenkerin des Konstruktiven Journalismus gilt. Mit ihrem Onlinemedium whatagoodweek.com erzeugt sie „ein Gefühl des Eingebundenseins in die Gesellschaft, das zu einem stärkeren Engagement führt“. Klar machte Jackson, dass Konstruktiver Journalismus hohe Professionalität braucht. BBC beispielsweise, hat eigene Ausbildungsformate und Forschungen, die den Trend begleiten.

Dass sich Journalisten nicht ausreichend der riesigen Datenmenge bedienen, die beispielsweise die UNO zur Verfügung stellt, beklagte Michael Moller, Generaldirekter des Genfer UNO-Büros. Diese Daten könnten dem Konstruktiven Journalismus ausreichend Material liefern.

Leitmedien bleiben relevant

Gute Nachrichten gab es beim European Newspaper Congress für Geschäftsführer von Leitmedien: „Die Werbewirtschaft kommt ohne Leitmedien nicht aus“, sagte Sebastian Turner, Herausgeber des „Berliner Tagesspiegels“: „In Deutschland zeigte sich, dass von hundert Personen, die auf Facebook einer Marke ein Gefällt mir geben, nicht einmal eine auch über diese Marke kommuniziert.“ Dem steht gegenüber, dass „80 Prozent der wesentlichen Zitate in den digitalen Medien von Leitmedien stammen“, berichtete Turner.

Geschichten in verschiedenen Darstellungsformen

Der international tätige Zeitungsdesigner Norbert Küpper, Mitveranstalter des European Newspaper Congresses, zeigte Trends auf: Webseiten passen sich den mobilen Geräten an, Bewegtbilder werden verstärkt eingesetzt und gleichzeitig gibt es auch auf mobilen Geräten einen Trend zu besonders langen Texten. Im Print-Bereich ist das von Skandinavien kommende visuelle Storytelling auch in unseren Breiten angekommen. Komplexe Geschichten werden in unterschiedliche Darstellungsformen zerlegt. Coverseiten tendieren zu noch größeren Bildern mit noch weniger Text und Magazine werden zu Hochglanz-Produkten.

Events

Alle Events anzeigen »

Meist gelesen